Google, einer der Böcke im Garten der Privatsphäre, will heute Chrome, den Google-eigenen Browser, in einer Betaversion für Windows veröffentlichen. Den Download soll es, wenn die Zeit reif ist, unter google.com/chrome geben. Versionen für unixoide Betriebssysteme (Linux, MacOS) soll folgen. Einen die Funktionen erklärenden Comicstrip gibt es bereits (der ist angeblich "aus Versehen" veröffenticht worden).
Der Flickruser Ruben Ploneda hat einen Screenshot online gestellt.
Interessant an Googles Chrome ist, daß er Websites in Sandboxes, in Jails, einsperrt, so daß sie mit niedrigeren Rechten laufen und, wenn alles wie geplant funktioniert, am Rechner des Users keinen Schaden verursachen können. Die Javascriptengine wurde von Grund auf neu geschrieben, heißt "V8" und wandelt Javascript in Maschinencode um, der direkt von der CPU ausgeführt werden kann. Sowas bringt in der Regel erhebliche höhere Geschwindigkeiten.
Chrome bedient sich bei Firefox und Webkit.
[Update 1]
F!XMBR faßt den ersten Tag mit Googles Chrome mit dem Wort Katerstimmung zusammen und geht den richtigen Schritt: Chrome deinstalliert.
Die Windowsuser werden sich nicht dran stören, die sind durch's Windows Genuine Advantage an derlei Datenspionage gewöhnt. Alle anderen sollten sich merken, was Googles Ziel und Geschäftsmodell ist: Das sammeln und indexieren aller weltweit verfügbaren Daten.
[Update 2]
Der Spiegel berichtet darüber, daß auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor Googles Chrome warnt. Die Begründung ist interessant.
Bundesamt warnt vor Google Chrome
"Es sei problematisch, sagte dazu BSI-Sprecher Gärtner, dass Google ein Produkt in der Testversion aufgrund seiner Marktmacht einer breiten, zum Teil technisch wenig versierten Öffentlichkeit zugänglich mache.
(...) seit Veröffentlichung von Chrome fanden IT-Experten rund ein halbes Dutzend Sicherheitslecks im Browser, die als "kritisch" eingestuft werden. Am späten Freitagabend meldete ein Sicherheitsunternehmen ein weiteres Sicherheitsleck, das es einem Angreifer erlauben würde, die Kontrolle über den Rechner des Nutzers zu übernehmen, ihn auszuforschen, mit Viren zu verseuchen oder fernzusteuern. (...) Chrome sei zwar "bequem, aber kritisch", nicht nur weil das Programm noch nicht ausgereift sei, sondern auch wegen der Datensammlung von Google sagte BSI-Sprecher Gärtner."
Denn mit derselben Begründung könnte man auch vor Microsofts Produkten warnen.
[Update 3]
Wie fefe berichtet (18.09. 2008), soll Googles Browser Chrome keine URLs mehr mit Usernamen, dem Inhalt von Formularfeldern oder SSL-URLs mit Pfadnahmen an die Google-Suggest-Server schicken.
In den Chromium Code Reviews liest sich das so:
"Merge r1978 to Beta to stop sending queries with username info, query params, and SSL queries with path components to suggest services.
BUG= 1647"
Ist doch immer wieder eine Freude zu sehen, wie Google sich um die Privatsphäre der User sorgt. Vergeßt nicht, daß Googles Geschäftsidee das Indexieren aller weltweit verfügbaren Informationen ist.
[Update 4] 26.09. 2008
DoS-Schwachstelle bringt Googles Chrome zu Fall sagt heise.de
"(...) Als neuestes Problem hat die Gruppe EvilFingers eine DoS-Schwachstelle ausgemacht, die nicht nur die Stabilität des Browsers beeinflusst und im Test von heise Security gleich den ganzen Browser nebst aller geöffneten Fenster abstürzen ließ, sondern auch noch die Stabilität von Windows negativ beeinflusst.(...)"
Chrome ist eben eine Beta. Und den Windowsusern sei außerdem gesagt, daß es eben nicht normal ist, wenn eine einzelne Anwendung das gesamte Betriebssystem in den Abgrund reißt.